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Dieser Tag hatte gefühlte 36 Stunden

Dieser Tag hatte gefühlte 36 Stunden !

Wir haben eine Katze irgendwo unter dem Chassis unseres gemieteten Pandas!

Wenn wir fahren miaut sie erbärmlich ! Mit Besen und Wasser versucht uns ein älterer Grieche zu helfen, das Kätzchen irgendwie hervor zu scheuchen – ohne Erfolg. Wir fahren weiter zu unserem Meeting, doch das Miauen ist unüberhörbar. Bei einer kleinen Garage, bei der wir einen Wagenheber entdecken, halten wir nochmals an. Zu viert versuchen sie das Kätzchen zu lokalisieren – ohne Erfolg. So fahren wir, MIT KATZE, zu Nicolas von one happy family, der uns das tolle Dorf- Projekt seiner Organisation zeigt, welches etwas ausserhalb von Mytilene liegt. Er gibt uns auch wertvolle Infos über das neuste im Asylverfahren in Griechenland. Dann geht es weiter ins Camp Moria…ohne Katze? Das Miauen ist verstummt…

 

Wir treffen in Moria ein junges afghanisches Ehepaar. Ihr erstes Asylgesuch ist noch hängig und sie fürchten sich vor einer Absage. Sie wirken irgendwie verletzlich und unsicher und möchten das Camp, wie alle die wir treffen, so schnell als möglich verlassen. Oft wissen die Flüchtlinge nicht genau, was die ausgehändigten Papiere bedeuten und kennen ihre Rechte und Möglichkeiten im komplizierten Asylverfahren, das sich ständig ändert, nicht. Da wir keinen geeigneten Übersetzer finden, machen wir es mit google translate, was recht gut funktioniert und auch immer wieder zu lustigen, entspannten Situationen führt. Wir lachen viel zusammen. Wir merken, dass sie neben den Fragen zum Asylverfahren, noch etwas anderes auf dem Herzen haben. Sie schauen sich immer wieder an und lachen verlegen. Plötzlich schreibt der junge Mann: «Meine Frau ist Analphabetin, sie möchte lesen und schreiben lernen, was unter den Taliban nicht möglich war. Ich brauche ein Heft, um es ihr zu lernen !» Natürlich werden wir alle möglichen Hefte bringen !! Wir verabschieden uns und sehen die beiden lachend im Dickicht der Zelte verschwinden. Ein Lichtblick in einer unglaublich schwierigen Situation.

Da wir bei einer syrischen Familie zum Essen eingeladen sind, machen wir uns nun auf Zeltsuche im Zeltdschungel von Moria. Die nächsten zwei Stunden, in dieser selbst gebauten, kleinen (2,5 auf 2m) Zelt/Holzkonstruktion, wird uns immer in Erinnerung bleiben und uns mit dieser jungen Familie verbinden. Es war ein Essen unter guten Freunden !! Bestaunen des 10 Tage alten Babys, spielen und rumalbern mit der 4jährigen Tochter, wunderbares Essen, politisch ernste Gespräche und viel Lachen.

 

Wir sind müde und verschwitzt bei 34° als wir wieder in den Panda steigen und in Mytilini noch schnell in einer Apotheke eine Salbe für das Baby kaufen. Da fragt uns eine weinende, völlig aufgelöste afghanische Mutter nach dem Weg ins Spital. Sie hat einen 10jährigen Jungen und ein Kleinkind im Kinderwagen dabei. Der kleine Junge muss wohl hingefallen sein, denn am Kinn hat er eine recht tiefe Wunde, die blutet. Steri-stripp haben sie in der Apotheke nicht und im nahen Notfallzentrum wollen sie einen so kleinen Jungen nicht behandeln. Also rein ins Taxi und in die Notfallaufnahme des Spitals….deren Zustand dem Namen allerdings KEINE Ehre macht! Wir sind froh, dass wir diese afghanische junge Mutter begleiten, denn im Spital wollen sie ihren Ausweis zuerst nicht akzeptieren, «weil sie diese Sprache nicht lesen könnten». Wir weisen darauf hin, dass er in griechisch verfasst ist. Widerwillig wird der kleine Junge nun zum Arzt in den Notfallraum gebracht, der die Wunde näht. Gleichzeitig wird auch ein Mann in Handschellen von der Polizei hereingeführt und eine alte Frau halbnackt auf einer Bahre hereingetragen. Wir sind alle froh, das Spital nach zwei Stunden verlassen zu können und erklären der jungen Mutter in der Notfallapotheke noch die Anwendung des Antibiotkas, und wann und wo sie die Fäden ziehen lassen muss. Für die Starrkrampfspritze muss die Mutter dann am nächsten Morgen nochmals vorbeikommen. Sie schreibt sich alles in Farsi auf. Der kleine Junge ist unterdessen im Kinderwagen eingeschlafen und Ahmid uns seine Mutter winken uns beim Nachhause gehen noch zu.

Am Wegrand vor der Apotheke sitzt ein zerzaustes, erbärmliches kleines Kätzchen…


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